Kaiserschnitt zu spät. Wann haftet die Klinik?

Kaiserschnitt zu spät. Wann haftet die Klinik?

Bei vielen Geburtsschäden lautet der zentrale Vorwurf gleich. Der Kaiserschnitt kam zu spät. Tatsächlich entscheiden unter der Geburt oft Minuten. Viele Eltern spüren schon im Kreißsaal, dass wertvolle Zeit verstreicht, und können es doch nicht einordnen. Genau darum geht es in diesem Beitrag.

Worauf es rechtlich ankommt

Eine Klinik, die Geburtshilfe anbietet, muss darauf eingerichtet sein, dass aus einer normalen Geburt plötzlich ein Notfall wird. Sie muss in der Lage sein, einen Notkaiserschnitt ohne vermeidbare Verzögerung durchzuführen, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Und sie muss die Zeichen, die auf eine Gefährdung des Kindes hindeuten, ernst nehmen und rechtzeitig handeln. Ob das im Einzelfall geschehen ist, beurteilen am Ende medizinische Sachverständige anhand der Behandlungsunterlagen. Meine Aufgabe ist es, den Ablauf so aufzuarbeiten, dass die Sachverständigen die richtigen Fragen beantworten können. Wie viel Zeit ist zwischen den Warnzeichen und der Entscheidung vergangen. Und wie viel Zeit zwischen der Entscheidung und der Geburt.

Wo es in der Praxis hakt

In den Fällen, die mir begegnen, wiederholen sich bestimmte Muster. Die Überwachung der kindlichen Herztöne zeigt Auffälligkeiten, aber es wird weiter abgewartet. Der erfahrene Arzt ist nachts nicht im Haus und muss erst anreisen. Der Operationssaal ist belegt, das Team unvollständig oder die Narkose nicht rechtzeitig verfügbar. Solche Abläufe sind keine Schicksalsschläge. Sie sind Organisationsfragen, für die die Klinik einstehen muss.

Der unterschätzte Hebel

Viele Eltern denken bei Behandlungsfehlern an eine einzelne Person, die etwas falsch gemacht hat. Häufig liegt der Fehler aber tiefer, nämlich in der Organisation der Klinik. Zu wenig Personal in der Nacht. Keine klare Alarmkette. Kein Facharzt in Rufbereitschaft. Solche Mängel begründen eine eigene Haftung der Klinik. Aus meiner früheren Tätigkeit auf Versichererseite weiß ich, dass Kliniken und ihre Versicherer auf gut belegte Organisationsvorwürfe deutlich sensibler reagieren als auf pauschale Fehlervorwürfe.

Was Sie jetzt tun können

Sichern Sie Ihre Erinnerung. Notieren Sie den Ablauf der Geburt, so gut Sie ihn erinnern, wer wann anwesend war und wann welche Entscheidung fiel. Solche Aufzeichnungen sind wertvoller, als viele denken, denn die Erinnerung verblasst schneller, als die Auseinandersetzung dauert. Alles Weitere, insbesondere die Anforderung der Behandlungsunterlagen mit den dokumentierten Zeiten, übernehme ich für Sie.

Sie haben den Eindruck, dass bei der Geburt Ihres Kindes wertvolle Zeit verloren ging. Rufen Sie an. Die telefonische Ersteinschätzung ist kostenfrei.